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Und wie ging es mit Jakob weiter?

Nun, es hat ihm weiterhin im Käfig gefallen, er kam kaum heraus, obwohl das Türchen immer offen blieb. Gefressen hat er auch gut, allerdings mußte er anfänglich noch von Hand gefüttert werden, er konnte noch nicht alleine fressen. Es stellte sich bald heraus, daß seine Lieblingsspeise Katzenfutter aus Rindfleisch war, und immer noch ist. Aber es muß immer eine ganz bestimmte Marke sein, da ist er eigen.
Bald zeigte sich aber, daß er doch ein bestimmtes Problem hatte. Er fiel ab und zu von der Sitzstange. Besonders bei Nacht wenn er schlief. Ich hatte schon frühzeitig bemerkt, daß ich kaum seine Krallen spürte wenn ich ihn auf dem Arm hatte. Die Erklärung war schnell gefunden. Jakob konnte zwar seine Zehen bewegen, hatte aber wenig Kraft um die Sitzstange richtig zu umklammern. Nach dieser Erkenntnis bekam Jakob recht dicke Stangen bei denen er ganz flach drauf stehen konnte. Außerdem wurde die obere Stange -es ist die "Schlafstange"- so angeordnet, daß er seine langen Schwanz- und Schwingen-Federn an den Gitter-Querstäben auflegen konnte. Die Federn leiden zwar etwas darunter, aber es ergibt einen stabilen Zustand.
In mir kam ein Verdacht auf: sollte Jakob auch in der Flügelmuskulatur eine Schwäche haben? Dies würde seine Flugunfähigkeit erklären. Aber zum damaligen Zeitpunkt wußte ich das noch nicht sicher.
In der folgenden Zeit war ich fast täglich mit Jakob im Garten. Er solte möglichst viel Natur haben und sich an die ganzen Geräusche die es in der Nähe der Menschen gibt, gewöhnen. Ich mußte immer bei ihm bleiben und auf ihn achten, er war ja so ängstlich. Wenn ich ihn auf einen kleinen Baum setzte und er sah oder hörte ganz entfernt etwas, sprang er sofort herunter und wollte sich verkriechen. Ein Hund oder eine Katze hätte im dabei den Garaus machen können.

Jakob im Garten

Jakob im Garten

Man konnte bald sehen, daß sich Jakob in der Wohnung wohler fühlte als draußen! Er fühlte sich geborgener und hatte kaum Angst. Daher wurde kurzerhand ein kleines Zimmer als Jakob`s Reich umfunktioniert. Der Teppichboden wurde entfernt, das darunter liegende Linoleum war geeigneter. Da Jakob gerne badet gibt es dabei genügend aufzuwischen. Außerdem ist ein Rabe nicht stubenrein. An seinen bevorzugten Aufenthaltsorten befinden sich zwar "Unterlagen", aber es geht immer mal was daneben. An dieser Stelle muß ich nochmal meine verständnisvolle Frau erwähnen. Sie duldete nicht nur mein "Tun", sie half und hilft mir immer noch recht tatkräftig!
Um Jakob nicht ganz "einzusperren" nahm ich ihn in der Folgezeit bei meinen täglichen Spaziergängen mit. Außerdem mußte ich auch ab und zu seine "Flugkünste" testen. Ich mußte mit Erstaunen feststellen, daß Jakob äußerst ruhig und entspannt wurde, sobald wir am Dorfrand die letzten Häuser hinter uns ließen. Seine ständige Angst die er in der Nähe von Häusern hat, war wie weggeblasen.

mein Rabe Jakob ind ich

Mein Rabe Jakob und ich beim Spaziergang

Zunächst hatte ich Jakob -wie am oberen Bild zu sehen- auf dem Arm getragen und ihn gelegentlich zum "stöbern" abgesetzt. Sehr bald aber gab er mir zu verstehen, daß er schon ein großer Rabe sei und selbst laufen kann (wie bei einem kleinen Kind). Anfänglich ging es in alle Richtungen. Rein in Wiese, Acker und Wald. Bald aber zeigte sich eine bevorzugte Fortbewegung: in Laufrichtung und zwar auf den Wegen! Ohne es ihm ausdrücklich beizubringen gewöhnte es sich Jakob an, so wie ich auf dem Weg in eine Richtung zu gehen. Falls er zwischendurch doch wieder getragen werden wollte war es für ihn kein Problem, mir das zu verstehen zu geben. Ein kurzer Blick oder ein gewisses Krächzen und ich wußte Bescheid.
Leider wurde aus dem "fliegen können" nichts. Bei Versuchen ging es immer abwärts. Zwar nur in einem flachen Winkel, aber vom Boden kam er nie hoch. Da ich Jakob nun schon etwa ein halbes Jahr hatte und keine Besserung eintrat, konsultierte ich einen Tierarzt. Das Ergebnis war, daß Jakob Gelenk- und Knochen- Verformungen hat. Ebenso Muskelschwäche und schlechter Halt der Schwungfedern im Knochenbett. Laut Tierarzt sei das Ganze als Geburtsfehler anzusehen und Jakob wäre von der Natur als Waldtier-Futter bestimmt gewesen!

Nun stand es fest: Jakob wird auf Dauer bei uns bleiben!